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So ein Schei*!

Inspiriert von einem Radiobeitrag, in dem Kinder erklären „mussten“, warum es so schlecht sei zu schimpfen oder Schimpfwörter zu verwenden.

 

Artig sein, höflich sein, nicht schimpfen, sich nicht beschweren, sich zurückhalten, sich unter Kontrolle haben, leise sein, nicht schreien. Kurz gesagt, seine Emotionen unterdrücken.

 

Es ist nicht immer alles lässig, nicht immer alles super, man ist nicht immer gut drauf und manchmal ist einem danach, so richtig Dampf abzulassen – man hat aber gelernt, dass man das nicht machen soll.

 

Der Zeitgeist gibt vor, dass positiv gedacht (und gesprochen) werden soll – was ja schön ist. Ist das aber immer angemessen, um seinen Emotionen Ausdruck zu verleihen?

 

Eigentlich ist es ganz einfach: Ich bin gut drauf, also äußere ich meine gute Laune durch Lachen, Tanzen (also ich nicht), Springen, u.ä.

Was aber, wenn man schlecht drauf ist? Meistens verstellt man sich. Mit welchem Resultat? Dass, wenn man es lange genug macht, man irgendwann sowas von die Schnauze voll hat, dass es zu einer Explosion oder Implosion kommt, die meistens in dem auslösenden Moment völlig überzogen ist  -klar, es hat sich ja auch einiges aufgestaut, was dann losbricht.

 

Warum also sollte man nicht eine Strategie haben, auch negativen Emotionen sinnvoll zu begegnen, sie zuzulassen, mal eine Schimpftirade loszulassen? Nicht einfach so die Familie anschreien, sondern sich den Raum und die Zeit geben, sich mal so richtig zu beschweren, aufzuregen – die Negativität auszuleiten?

 

Ich sehe es immer wieder in Sitzungen: Ein Thema lässt sich nicht lösen, oder es bleibt ein Restwert über, weil der/die KlientIn gehemmt ist, den letzten Schritt zu gehen – nämlich in Bezug auf eine Person oder Situation so richtig die Sau rauszulassen.

Aber dann, wenn es losgeht, zuerst noch schüchtern und sich nach und nach steigernd, bis dahin, dass oft ganz zarte und sanfte Personen mal so wirklich von der Leber weg schimpfen was das Zeug hält (natürlich während sie klopfen, um das Thema gleich auszuleiten), dann geht es dahin und siehe da, der Restwert ist plötzlich weg.

 

Ich bin immer ganz begeistert, welch wunderbare Wortschöpfungen da herauskommen!

 

Erst wenn ich all meine Emotionen gleich behandle, „gute“ wie „schlechte“, mich also in meiner Ganzheit annehme, und beiden Seiten Ausdruck verschaffe, kann ich mich in meiner Mitte befinden. Sonst ist die ganze „Positive Thinking“ Angelegenheit nicht mehr als eine gut klingende Marketingstrategie, die mich im Endeffekt noch mehr stresst, als wenn ich hin und wieder gezielt explodiere.

 

Wenn du gern mal deinen Ärger und Frust

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